

Achtung Kräutertee! Kräutertees teilweise erheblich mit Schadstoffen belastet
Jetzt naht wieder die kalte Jahreszeit. Wie schön ist es da, sich einen heißen Tee aufzugießen, der von innen wärmt. Ein Tee, der ist doch gesund, oder? Nicht unbedingt. Sowohl bei Kräutertees, inklusive Kamillen- und Pfefferminztees, als auch bei schwarzen Tees ist Vorsicht geboten. Denn die Tests von Öko-Test und der Stiftung Warentest zeigen, dass Kräutertees und schwarze Tees zum Teil erheblich mit Schadstoffen belastet sind. Daher sollten gesundheitsbewusste Verbraucher nicht einfach einen günstigen Tee kaufen, sondern sich diese Testergebnisse genau anschauen und ein schadstoffarmes oder schadstofffreies Produkt kaufen.

Viele Marken mit schädlichen Substanzen
Im Novemberheft 2014 hat das Verbrauchermagazin Öko-Test die Laborergebnisse eines Tests von 23 Kräuter-, Kamillen- und Pfefferminztees veröffentlicht. Dabei schnitten zwar die acht getesteten Bio-Tees durchweg mit gut und sehr gut ab. Doch enthielten mehr als die Hälfte der 15 getesteten konventionellen Marken lebergiftige und krebserregende Substanzen, die laut der Analyse von Öko-Test überdem Tagestoleranzwert lagen. Anders als die meisten Bio-Kräutertees wurden bei vielen herkömmlichen Kräutertees so genannte Pyrrolizidinalkaloide festgestellt. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die eine Vielzahl von Pflanzen zum Schutz vor Fraßfeinden selbst bilden. Laut Öko-Test kommen diese schädlichen Substanzen nicht von den eigentlichen Zutaten der Kräutertees, sondern von mitgeernteten Pflanzen, die auch Beikräuter genannt werden.
Risikohinweis von Bundesbehörde
Dieses gesundheitliche Risiko ist nicht neu. Bereits im Juli 2013 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer Pressemitteilung eigens darauf hingewiesen, dass die Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in Kräutertees und Tees zu hoch sind. Zwar sei eine akute Gesundheitsgefährdung bei kurzfristiger Aufnahme – sprich: Trinken eines belasteten Tees –für Erwachsene und Kinder unwahrscheinlich, so das BfR. Bei längerfristigem Verzehr überdurchschnittlich hoher Mengen von Produkten mit den derzeit gemessenen hohen und mittleren Gehalten des Schadstoffs könnte aber laut der Bundesbehörde ein Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung bestehen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt das BfR Eltern, ihren Kindern nicht ausschließlich Kräutertees und Tees anzubieten. Zudem rät das BfR: „Auch Schwangere und Stillende sollten Kräutertees und Tees abwechselnd mit anderen Getränken konsumieren.“
Bio bei Kräutertee bevorzugen
Laut Öko-Test sollte, wer bei Kräutertees auf der sicheren Seite sein will, entweder zu Bio-Tees greifen oder konventionelle Tees abwechselnd mit anderen Flüssigkeiten trinken. Denn während die Bio-Kräutertees – wie zum Beispiel von Alnatura oder Denree – praktisch durchweg überzeugten, fanden sich in 12 getesteten herkömmlichen Kräutertees auch verschiedene Spritzgifte. Darüber hinaus wurden laut Öko-Test in vier Kamillentees erhöhte Mengen eines Herbizids gefunden, das als Bestandteil eines Entlaubungsmittels traurige Berühmtheit im Vietnamkrieg erlangte. Außerdem waren von 15 nur drei herkömmliche Kräutertees frei von Pestiziden. Übrigens wurden von Öko-Test nicht nur preiswerte Kräutertees wie die Marken „Gut & Günstig“ und „Lord Nelson“ mit „ungenügend“ oder „mangelhaft“ bewertet. Auch Markenprodukte von „Teekanne“ oder „Meßmer“ erhielten von Öko-Test solch eine schlechte Note.
Auch schwarze Tees voller Schadstoffe
Anscheinend sind Schadstoffe ein Problem von Tees allgemein. Denn auch bei schwarzen Tees wurden in entsprechenden Tests sowohl von der Stiftung Warentest als auch von Öko-Test schädliche Substanzen gefunden. So hat die Stiftung Warentest im Oktober 2014 in einem Test von 27 schwarzen Tees festgestellt: „Schadstoffe in allen Tees“. Doch war die Dosis zum Teil sehr gering und zum Teil sehr hoch. In dem Test enthielten alle schwarzen Tees Anthrachinon, das im Tierversuch krebserregend wirkt und laut Stiftung Warentest ein potentielles Krebsrisiko darstellt. Drei Tees waren so stark mit Anthrachinon belastet, dass sie mit „mangelhaft“ bewertet wurden. Ein weiterer als „mangelhaft“ eingestufter Tee war mit Pyrrolizidinalkaloide belastet. Immerhin wurden in dem Test bei fünf Produkten nur sehr wenige Schadstoffe festgestellt, so dass laut Stiftung Warentest Teetrinker auf schwarzen Tee nicht verzichten müssen. Dies geht dann allerdings nicht ohne Studium solcher Testergebnisse. Fünf von 27 schwarzen Tees nur gering belastet, das ist keine hohe Quote.
„Oft voller Pestizide“
„Schwarze Tees stecken oft voller Pestizide und anderer Schadstoffe“, stellt Öko-Test in der neuen Ausgabe von September 2015 fest. Ein türkischer Tee enthielt sogar mehr als 20 Rückstände verschiedener Insekten- und Unkrautvernichter, darunter zwei Stoffe in so hohen Mengen, dass laut dem Verbrauchermagazin gesetzliche Vorschriften überschritten wurden und der Tee gar nicht hätte verkauft werden dürfen. Insgesamt fällt die Hälfte der Produkte in dem Test durch. Darüber hinaus kritisiert das Verbrauchermagazin, dass viele Anbieter schwarzen Tees nicht ausreichend belegen könnten oder wollten, dass sie sich um faire Löhne und menschenwürdige Verhältnisse in den Anbauländern bemühten.
Fazit
Alles in allem weisen Kräutertees und auch schwarze Tees zum Teil eine erhebliche Schadstoffbelastung auf. Daher sollten gesundheitsbewusste Verbraucher sich an den einschlägigen Tests von Öko-Test und Stiftung Warentest orientieren und mit „gut“ oder „sehr gut“ eingestufte Tees kaufen. Speziell bei Kräutertees empfiehlt es sich aufgrund der Ergebnisse von Öko-Test, Bio-Produkte zu bevorzugen. Um potentielle Gesundheitsrisiken zu begrenzen, scheint es zudem sinnvoll, nicht nur und dauernd Tee zu trinken, sondern auch einmal zu anderen Getränken zu greifen. (wrü)
Gepostet in:
